Kompromiss = Der goldene Mittelweg?

Kompromiss = Der goldene Mittelweg?

Im Juli d.J. war es soweit. Wir haben das Fest der Goldenen Hochzeit gefeiert. Einfach super, dass wir das erreicht haben. Es war ein schöner Tag. Gottes Segen, den wir bei unserer Eheschließung unter Handauflegung empfangen haben, hat sich bewährt, hat uns bewahrt.
Ich habe überlegt. Was hat dazu beigetragen, beieinander zu bleiben? Was war wichtig dafür, dass wir unsere 50 Jahre feiern konnten? Mir stand als Stichwort der Begriff KOMPROMISS vor Augen. Die nachstehenden Aspekte sind also durch unsere Erfahrung gedeckt, sind unsere Ehe-Aussage.

Die Google-Suchmaschine brachte dazu viele Ergebnisse. Einfach gesagt:
Ein Kompromiss ist eine von allen beteiligten Personen akzeptierte Lösung, zu der man durch gegenseitige Zugeständnisse gelangt.

Diese Definition gefiel mir. Sie passt auch für die beiden Partner einer Ehe. Sie passt auch zu uns. Im Gespräch, im Eintreten für das Eigene, im Hinhören auf den anderen, wird eine Lösung gefunden. Es ist eine Einigung, die zu den Personen und zu ihrer Situation passt; bei der keiner zu kurz kommt, bei der sich nicht Einer auf Kosten des Anderen durchsetzt. Manchmal kostet es beide sehr viel. Aber es lohnt sich, diesen Preis zu zahlen. Er gehört zum Lebensglück dazu.
Dabei meint die Formel Kompromiss nicht immer und überall dasselbe. Kompromisse sind vielschichtig und differenziert zu sehen. Viele Menschen denken bei diesem Wort in erster Linie an den 50:50 Kompromiss. Man einigt sich in der Mitte. Einer will 20 000 Euro für den gemeinsamen Neuwagen ausgeben. Der andere nur 10 000. Jeder gibt um 5000 nach; der eine nach unten, der andere nach oben. Das neue Auto darf 15 000 Euro kosten. Das kann eine einfache Sache sein. Das könnte aber auch schon zu einer Krise führen. Je nachdem welchen Stellenwert ein Auto für die Betreffenden hat. Und je nachdem, wie es um ihre Kompromissbereitschaft bestellt ist.
Schwieriger wird es beim 30:70 Kompromiss. Das Zahlenverhältnis steht dabei für alle ungleichen Kompromisse. Ein Ehepartner ist aktiv, initiativ, unternehmungslustig. Der andere macht gern mit, kann und will aber auf diesem Level nicht mithalten. Oder ein Ehepartner ist kreativ mit Sinn für Dekoration und Raumgestaltung. Dem anderen liegt nicht soviel daran, denn es liegt ihm nicht. Da wird es auch 10:90 Kompromisse geben. Mehr geben, weniger fordern. Nur so lässt sich Unzufriedenheit mit der eigenen Rolle und der des anderen vermeiden. Wenn jeder die Ressourcen einbringt, die ihm zur Verfügung stehen, ist die gegenseitige Akzeptanz am größten.
Einmal gefundene Kompromisse gelten nicht für immer. Keiner kann darauf beharren: „Wir haben aber abgesprochen, dass …“ Wir können uns geirrt haben. Wir können uns verändert haben. Unsere Möglichkeiten und unsere Schwierigkeiten sind nicht immer gleich. Kompromisse müssen variiert werden, der neuen Situation angepasst werden. Zu Beginn der Ehe einigen sich zwei, jeden Tag gemeinsam in der Bibel zu lesen und zu beten. Nach einigen Jahren hat einer von beiden das Bedürfnis, seine Zeit mit Gott allein zu verbringen und selber zu gestalten. Führt das zur Krise oder zu neuen Freiheitsräumen?

Echte Kompromisse sind nur da möglich, wo die Beteiligten einen klaren Standpunkt, eine feste Überzeugung haben. Für ein dauerhaftes Zusammenleben sind sowohl gemeinsame, unaufgebbare Grundwerte wichtig, als auch Freiheit und Toleranz für unverzichtbare, unterschiedliche Grundwerte. Wobei die gemeinsamen Grundwerte die Basis für die unterschiedlichen bilden.
Übrigens, was uns beiden zu Beginn unserer Ehe wichtig war und bis heute wichtig geblieben ist, kommt in unserem Trautext zum Ausdruck. Er war kein Kompromiss, sondern unsere gemeinsame Wahl: 1. Korinther 13,4-8a. Damals hatten wir die Lutherübersetzung. Heute zitiere ich ihn nach der Basisbibel:

Die Liebe ist geduldig. Gütig ist sie, die Liebe. Die Liebe ereifert sich nicht. Sie prahlt nicht und spielt sich nicht auf. Sie ist nicht unverschämt. Sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie ist nicht reizbar und trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht, wenn ein Unrecht geschieht. Sie freut sich aber, wenn die Wahrheit siegt. Sie erträgt alles. Sie glaubt alles. Sie hofft alles. Sie hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.

Helmut und Sigrid Schwarze
06. August 2022

12 Kommentare zu „Kompromiss = Der goldene Mittelweg?

  1. Das freut uns sehr, dass Ihr dieses Jubiläum feiern durftet. Dabei kommt mir ein Gespräch mit einem Kollegen in Erinnerung, der sein 40jähriges Dienstjubiläum in meiner ehemaligen Firma feierte. Damals sagte er: „Es ist wie in einer Ehe. Man muss Kompromisse machen können.“ Er hatte die Erfahrung einer Scheidung schon hinter sich.
    In vier Jahren ist es bei uns so weit. So Gott will!
    Beste Grüße
    Petra & Norbert

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  2. Grossartig geschriebenund ich bin ganz bei euch in dieser Aussage! Ein echtes Zeugnis. Es ist auch gut älter zu werden und damit barmherziger zu sein, die Miteinandererfahrung zeigt, dass, wenn das eine nicht so entschieden werden konnte, wie der eine wünschte, dennoch auch eine gewisse Zufriedenheit bei dem andern einsetzen konnte, ich meine: da zeigt sich die Liebe zum anderen.
    Danke euch beiden, 💓lichst UrsLi

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    1. Besten Dank für Eure Rückmeldung und Eure guten Wünsche. Und Euch wünschen wir am 20.08. ebenfalls eine schöne Feier und weiterhin gute Jahre unter Gottes Segen.Herzliche Grüße Helmut + Sigrid

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  3. Wow!!! Herzlichen Glückwunsch zur Goldenen Hochzeit 💒!!! Gut habt ihr das gemacht.wir nehmen uns euch zum Vorbild.
    Gottes reichsten Segen für die nächsten Ehejahre.
    Glg Marita

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  4. Herzliche Segenswünsche zur Goldenen Hochzeit. Wir haben diese ebenfalls im Juli gefeiert – in Finnland. Wie 1972y
    LG Reimar und Marja-Liisa

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  5. Ich gratuliere euch ganz herzlich zur goldenen Hochzeit! Wie schön, wenn man auf so viele Jahre gemeinsamen Lebens zurückschauen kann.
    Ohne Kompromisse geht in Beziehungen gar nichts, das hast du schön auf den Punkt gebracht.
    Freiraum, wo beide sich auch als eigenständige Persönlichkeiten entwickeln können und dürfen – das sind gute Voraussetzungen für ein glückliches Zusammensein 😀
    Alles Gute euch Beiden und der ganzen Familie!
    Liebe Grüsse Brig

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    1. Liebe Brig,
      Du warst mal wieder die Schnellste von allen. Herzlichen Dank für Deine Rückmeldung, Grüße und guten Wünsche.
      Wir üben uns weiter im Freiraum gewähren und Gemeinsamkeiten pflegen und in Kompromissen.
      Dir / Euch all the best.
      Helmut

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