Kontemplation

Kontemplation ist in philosophischen und religiösen Texten die Bezeichnung für ein konzentriertes Betrachten. So Wikipedia. Im Bereich der Religion geht es um innere Sammlung und Versenkung. Ich selbst habe die Absicht unter dieser Überschrift an eigenen geistlichen Erfahrungen und Wegen Anteil zu geben. Dabei wird es auch um Exerzitien gehen, um geistliche Übungen, die ich als hilfreich und bereichernd erlebe. Ich verbinde damit die Hoffnung, dass der Geist Gottes bei denen, die an diesem Bereich teilhaben, etwas ins Schwingen bringt, dass geistliche Bewegung entsteht.

Neuer Beitrag:
Beten funktioniert nicht – beten wirkt

glauben heißt beten
Exerzitien per Zoom (Fortsetzungsreihe II)
Vom Umgang mit Grenzerfahrungen
Eine Anfechtung für Angefochtene?
Probleme eines Bibellesers
Exerzitien per Zoom (Fortsetzungsreihe I)
Einladung zu „Stillen Tagen“ Pfingsten 2022
Gebärdengebet
Exerzitien per Zoom (Startreihe)
Wut ausagieren
Rezitationsgottesdienst: Psalmen und Musik
Empathieübung
Gottes Bein umklammern
Privatdisco
November-Trübsinn plus Corona-Melancholie
Tischgebet für Kleinkinder
Bergpredigt in- und auswendig

Geistliches Tagebuch
Tagesanfang
Schlaflosigkeit
Memorieren als geistliches Fitnessprogramm


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Beten funktioniert nicht – beten wirkt

Bei einer Einkehrtagung stellte ich die Frage, was die Teilnehmer von der These hielten: Beten funktioniert nicht! Diejenigen, die mich näher kannten, stimmen der Behauptung zu. Sie ahnten schon, was ich damit meinte. Andere protestierten zunächst. Wir glauben doch, dass Gebete erhört werden!?

Schon in meiner Jugend habe ich eine Gebetsbilanz erstellt. Ich schrieb meine Bittgebete mit Datum auf. Dann registrierte ich nach einiger Zeit: Was hat sich erfüllt? Was hat sich nicht erfüllt? Was hat sich teilweise erfüllt? Was könnte sich noch erfüllen? Es gab viele Gebetserhörungen. Aber insgesamt war die Bilanz gemischt. Ursachenforschung, warum sich dieses erfüllte und jenes nicht, war unmöglich. Mir wurde klar: Alles Pochen auf bestimmte Bibelstellen und Verheißungen nützt nichts. Gott lässt sich nicht verpflichten. Wir können mit unseren Gebeten nichts erzwingen.

Trotzdem habe ich nach einem Gemeindewechsel in meiner neuen Gemeinde ein halbes Jahr lang über das Thema: Gebet gepredigt. Denn ich bin zutiefst davon überzeugt: Gebet wirkt! Es ist sinnvoll, lohnend, belebend. Es gehört zu meinem Leben wie das Atmen. Ich muss nicht beten; ich bete selbst-verständlich. Beten ernährt mich. Es ist wie Essen und Trinken für mich. Immer und überall kann ich mit Gott in Verbindung sein. Ja, ich bin mit Gott verbunden; auch ohne Worte und Gedanken. Er lebt in mir. Sein Geist betet in mir.

Wenn Gebet funktionieren würde, könnten wir eine Liste von Voraussetzungen und Bedingungen erstellen. Wer sie erfüllt, kann sich der Gebetserhörung sicher sein. Doch jedes Schema versagt. Gebetszusagen und Verheißungen sind nicht als mathematische Formeln zu verstehen, sondern als Wegweiser und Motivationshilfen. Diese Bibelstellen sind wie die WLAN Wörter oder Zahlen, die man vor Ort für den Handyzugang zum Internet braucht. Unser Gebetsleben kann gestört sein. Es ist gut, die Ursache dafür erkennen und beheben zu können. Trotzdem wird das Gebet nicht wie ein Automat, wie eine Maschine oder wie ein Computer funktionieren.

Gebet wirkt! Immer. Hundertprozentig. Aber das ist eine Glaubensaussage. Beweisen lässt sich das nicht. Es ist meine Erfahrung. Und damit auch meine Deutung. Beispiele für solche Erfahrungen sammeln sich im Laufe eines Lebens viele. Es gibt körperliche und seelische Heilungen. Es gibt Bewahrung in und Errettung aus Lebensgefahr. Es gibt unerwartete Sinnesänderungen, nicht vorhersehbare Wohnungsangebote, außergewöhnliche Gehaltserhöhungen. Menschen, die jahrelang keinen Kontakt mehr zueinander hatten, versöhnen sich. Menschen, von denen wir es nie gedacht hätten, werden gläubig. Ein Leben lang wurde für sie gebetet. Und dann passiert es. Doch immer, wenn es um Gebetserhörungen geht, gibt es auch Gegenbeispiele. Deshalb beziehen manche Christen die Wirkung des Gebets hauptsächlich auf die seelische Verfassung des Beters. Er fühlt sich erleichtert. Er wird gelassener und ruhiger. Er sieht klarer. Alles richtig. Häufig ist das so. Aber längst nicht immer. Dass Gebet wirkt, beziehe ich in erster Linie auf die Begegnungsebene. Sie wirkt sich auf die Beziehung des Menschen zu Gott aus. Jedes Gebet zu Gott stärkt mein Vertrauen in Gott. Jedes Hören auf Gott, bringt mich mehr in Übereinstimmung mit Gott und mit mir selbst. Es geht um die spirituelle Dimension. Das ist die geistig/geistliche Verbindung des Menschen zu Gott. Es geht um die einmalige, individuelle Beziehung des Einzelnen zu Gott. Sie ist der Kern des christlichen Glaubens. Ermöglicht durch Jesus Christus. Wer diese Beziehung lebt, möchte nie und nimmer auf sie verzichten. Er erlebt, was er lebt, dass Gebet wirkt.

Helmut Schwarze
12. Juni 2022

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glauben heißt beten

Nicht daran, ob ich etwas für wahr halte, entscheidet es sich.
Nicht daran, ob ich etwas vor anderen bekenne, entscheidet es sich.

wer glaubt, der betet

Damit meine ich nicht, dass er reflektiert oder meditiert.
Damit meine ich nicht, dass er imaginiert oder suggeriert.

wer glaubt, redet mit Gott – wer glaubt, hört auf Gott

Da ist jemand. Da ist ein DU. Unsichtbar. Unbegreiflich. Unerklärlich. Gegenüber, und doch in allem. Person, aber völlig anders als ein Mensch. Geist, aber dem Geist des Menschen nicht unmittelbar zugänglich.

wer glaubt, der redet mit IHM – wer IHM glaubt, der hört auf IHN

Für alles danken. Um alles bitten. Über alles sprechen. Erzählen und fragen, klagen und loben. Wie von selbst ergibt sich das. Wer glaubt, der tut das eben. Er ist erfüllt von der Überzeugung: Von allen Seiten umgibt ER mich; in allen Poren des Körpers, in allen Schichten des Geistes, durchdringt ER mich. Es betet in mir. ER betet in mir. ER redet durch mich zu sich; und freut sich, wenn er mich hört.- Gern teilt ER sich mit. Er teilt gern. Es macht ihm Freude, andere zu beschenken. Es berührt mich tief, wenn ich IHN höre. Manchmal macht es mich sprachlos. Weil ich Ihm glaube, will ich leben, was ich höre. Glücklich, wer tut, was er hört.

30. Mai 2022
Helmut Schwarze
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Exerzitien per Zoom (Fortsetzungsreihe II)

Liebe/r Leser/in,
im Bereich KONTEMPLATION mache ich heute das angekündigte Fortsetzungs-angebot für die ZOOM-EXERZITIEN. Dieses Mal rezitiere ich die Bergpredigt. Textgrundlage ist die Neues Leben Bibel. Jeder Abschnitt der Bergpredigt wird nach seiner Rezitation kurz, mit wenigen Sätzen, von mir kommentiert. Daraus ergibt sich ein Impuls für die nachfolgende Stille.
Die Rückmeldungen aus den bisherigen Exerzitien ergaben, dass sich etliche Teilnehmer ein weiteres Angebot wünschen.
Die Zoom-Exerzitien werden wieder montags um 21 Uhr stattfinden. Sie dauern jeweils ca. 25 Minuten. Geplant sind folgende Termine:

07. März / 14. März / 21. März / 28. März / 04. April / 11. April / 18. April 2022

Auch dieses Mal gilt: Wer sich anmeldet, möchte gern regelmäßig dabei sein. Er verpflichtet sich damit aber nicht. Wer Interesse hat, aber nicht jedes Mal dabeisein kann, ist dennoch herzlich willkommen.

Immer wieder sind mir Menschen begegnet, die sich wünschen, eine Zeit der Besinnung, des Gebets, der Begegnung mit Gott zu haben. Doch mal fehlt die Zeit dazu. Ein anderes Mal die innere Ruhe. So bleibt der Wunsch und die Sehnsucht danach oft unerfüllt.

Da könnte es eine Hilfe sein, sich mit anderen zu einer bestimmten Zeit zu treffen und gemeinsam auf Gottes Wort zu hören und sich in der Stille auf IHN einzulassen.

Was erwartet die Teilnehmer/innen?
Oberthema:
Nachhaltiger Brennstoff: Die Bergpredigt
Ablauf:
Begrüßung der Teilnehmer
Zur Ruhe kommen – Atemübung
Rezitation der Bergpredigt – bitte hinhören und hinsehen! Kommentar / Impuls zum jeweiligen Abschnitt
Zeit der Stille
Segen
Abschlussritual

Wer an den Zoom-Exerzitien teilnehmen möchte, melde sich bitte per Mail bei mir an:

helsischwa@wtnet.de
Er/sie bekommt dann von mir den Link zugesandt, mit dem er beim Zoom-Treffen beitreten kann. Die Zoom-Exerzitien finden statt, wenn sich eine Mindestteilnehmerzahl von 10 Personen angemeldet hat. Gern könnt ihr weitere interessierte Personen zu diesem Angebot einladen.

Es ist mein inniger Wunsch, dass Gottes Geist uns belebt, stärkt, aufrichtet; dass er uns hineinnimmt in die Beziehung der Psalmbeter zu Gott.

Mit herzlichem Gruß
Helmut Schwarze 24. Februar 2022

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Vom Umgang mit Grenzerfahrungen

Es geht mir sehr schlecht. Ich kann nicht mehr. Mir ist alles zu viel. Mein einziger Trost ist, dass Gott mich nicht überfordert. Er wird mir nie mehr zumuten, als ich ertragen kann.“
(Zitat: So oder ähnlich aus persönlichen, seelsorgerlichen Gesprächen.)

Stimmt das?

Meistens kommt diese Aussage von Menschen, die schon längst überfordert und am Ende ihrer Kräfte sind. Sie können sich nicht eingestehen, dass alles wirklich ganz schlimm, ja, nicht zum Aushalten ist. Sie leiden darunter, dass Gott weder die momentane Not verhindert hat, noch jetzt spürbar eingreift. Aber sie wollen auf keinen Fall Gott dafür „die Schuld geben“. ER weiß, was ER tut. ER macht keine Fehler.

Bei vielen Christen steht im Hintergrund das Bibelwort aus 1. Korinther 13,10: Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch mit der Versuchung auch einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen könnt. (Einheitsübersetzung)

Natürlich klingt diese Aussage wunderbar: „Gott ist treu und wird nicht zulassen, dass die Prüfung über eure Kraft geht.“ Aber dann machen wir Erfahrungen, die unsere Kraft übersteigen. Grenzerfahrungen. Schmerzen, die unerträglich sind. Kummer, der nicht auszuhalten ist. Eine Depression, die das ganze Leben verdunkelt. Es gibt Leid, das über unsere Kraft geht.- Das gilt erst Recht für Christen, die in Ländern leben, wo sie verfolgt werden, oder die in Bürgerkriegsgebieten leben und in Stammeskonflikte verwickelt werden. Ich kann das Fernsehprogramm wechseln, wenn mir die Bilder aus Krisengebieten zu grausam werden. Andere Menschen, eben auch Mitchristen, unsere Schwestern und Brüder, müssen es selber erleiden. Sie werden zu Opfern.

Schon in meiner Jugend habe ich 1. Korinther 10,13 auswendig gelernt. Gott mutet mir nicht mehr zu, als ich ertragen kann. Meine Lebenserfahrung lässt diesen Vers in einem anderen Licht erscheinen. Leiderfahrungen werden von den Betroffenen in ihrem Gewicht sehr unterschiedlich wahrgenommen. Ob dieser Bibelvers ganz unmittelbar auf dich zutrifft, ob er dich anspricht und überzeugt, kannst nur du selbst entscheiden. Es geht nicht darum, dass wir aus dieser Glaubens- und Lebenserfahrung des Paulus eine These machen, die wir leidenden Menschen als Gehhilfe oder Beruhigungstablette anbieten. Jeder muss seine eigene Erfahrung mit diesem Wort machen.

Auf den ersten Blick könnte man unseren Bibeltext so verstehen: Er spricht von den Belastungen des Lebens und davon, dass Gott uns die Kraft gibt, sie zu ertragen. Als Paralleltext wird in der Lutherbibel Psalm 68,20 angegeben: „Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“ Das Wort Versuchung macht allerdings deutlich: Es geht um all das, was uns von Gott abbringen will. Anfechtung durch belastende Lebenssituationen ist nur ein Teilbereich. Verlockung, Verführung, Versuchung durch ein inneres Begehren, ist ein anderer Teilbereich.- Der Textzusammenhang stellt den Bezug zur Wüstenwanderung Israels her. Die Israeliten waren mit ihrer Versorgungslage unzufrieden. Sie wollten mehr Abwechslung auf dem Speiseplan. Ihnen wurde auch ihr Geschlechtsleben zu eintönig. Sie ließen sich auf Ausschweifungen und flüchtige Sexualkontakte mit Menschen anderer Völker ein. Auch die Götter anderer Völker wurden ausprobiert. Viele Israeliten entfernten sich von Gott und beschwerten sich anschließend, dass Gott so weit weg ist. Sie murrten. Sie begehrten auf.- Jeder von uns kann in Situationen kommen, in der die Möglichkeit den eigenen Weg ohne Gott zu gehen plötzlich sehr real wird. Um einen anderen Menschen zu bekommen, den man sehr begehrt. Um an das Geld heran zu kommen, das man dringend braucht und auf legalem Wege nicht bekommen kann. Um dieses ganze Korsett von Geboten und Verboten loszuwerden, das nur noch als Einengung empfunden wird. Versuchung bleibt keinem erspart. Selbst Jesus war ihr ausgesetzt.-
Darauf bezieht sich die Treue Gottes: ER bewirkt, dass wir in den Versuchungen standhalten können. Er mutet uns nichts zu, was uns zwangsweise von ihm abbringen wird. Es geht um unseren Glauben: um Siege und Niederlagen, um Standhaftigkeit und Treue. Gott ist treu; selbst wenn wir untreu werden. (2. Timotheus 2,13) Sein Versprechen bleibt immer gültig. „Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.“ (Jesaja 54,10.)

Und was ist nun mit der Situation der Überlastung und Überforderung? Was machen wir, wenn unsere Lage unerträglich ist?
Klagen und schreien. Wenn noch möglich, die Last verringern oder sich ablenken. Auf jeden Fall ärztliche und/oder therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Unterstützung bei Freunden und/oder Seelsorgern suchen.

Was ist mit Gott in einer solchen verzweifelten Situation?
ER ändert sich nicht. ER ist treu. ER ist gut. ER ist in jedem Fall auf unserer Seite. ER ist Liebe. ER leidet mit. Aber: Hilft uns das in einer solchen Lage? Oder beschwert uns diese Sicht von Gott zusätzlich?

Was bewirkt unser Glaube? Wenn wir denn in einer solchen Lage noch glauben können. Psalm 23 und Psalm 46 beschreiben, was manchen Menschen möglich ist, selbst mitten „im finsteren Tal“. Heißt es doch Psalm 23,4: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn DU bist bei mir … Und Psalm 46,2+3 heißt es: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge … Wem es möglich ist, der sollte diesen Glauben praktizieren. Er macht die Last leichter, auch wenn sich an unserer Situation nichts ändert.

Helmut Schwarze
15.01.2022

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Eine Anfechtung für Angefochtene?

Wenn es mir gut geht, kann ich mit emotionaler Bewegung singen: „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten …“ Doch wenn es mir schlecht geht, können solche Psalmworte Verzagtheit und Verzweiflung noch verstärken. Unter der Überschrift: „Eine Anfechtung für Angefochtene?“ teile ich mit euch meine Gedanken zu Psalm 91.

Psalm 91 (Luther 2017)

1 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

Sitze ich nicht mehr unter dem Schirm des Höchsten? Ist Gott weggegangen? Ich spüre seinen kühlenden Schatten nicht mehr. Zeitweise waren meine Beschwerden unerträglich. Stunde um Stunde ließen sie nicht nach. Schmerzmittel halfen nur bedingt.

2 der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

Ja, so ist das bei mir: Gott ist meine Zuversicht. Mit ihm rechne ich. Auf ihn hoffe ich. Aber geschützt wie in einer Burg fühle ich mich zurzeit nicht. Meine Gesundheit ist angegriffen. Da kam zuletzt eines zum andern. Nachts war ich in der Notaufnahme. Meine Stimmung sackte total ab.

3 Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest.

Wo war die Rettung? Wo war die Bewahrung? Der Strick zog sich immer enger.- Doch da gab es einen Lichtblick: Die dritte Impfung. Sohn und Schwiegertochter hatten sie für mich organisiert. Gott hat seine Leute!

4 Er wird dich mit seinen Fittichen decken, / und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,

Ja, es gibt diese Augenblicke der Geborgenheit. Es gibt auch gute Freunde, die mir diese Wärme, Zartheit und Umhüllung Gottes vermitteln. Das fühlt sich gut an. Da ist Nähe. Emotionale Stärkung. Mich macht das sehr dankbar. Menschen lassen mich die Wahrheit, die Wirk-lichkeit Gottes erleben, dass ER Schirm und Schild ist.

5 dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,

Doch, ich fürchte die Nacht. Wenn ich aufwache, kommt die Angst. Manchmal steigert sie sich bis zur Panik. Wenn ich aufstehe, nimmt sie ab. Mich abzulenken hilft mir manchmal mehr als zu beten. Ich bete; aber nichts passiert. Jedenfalls nicht unmittelbar. Nicht sofort. Nicht so, wie ich es in diesem Augenblick brauchen würde. Doch nach und nach, nach vielen Nächten, lässt das Erschrecken nach, nimmt die Angst ab, klingt der Orkan ab.

6 vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

Und so ein Vers in Zeiten der Pandemie. Gerade las ich bei „Spiegel-Online“: Mehrfach sprach er sich gegen die Coronaimpfung aus – um gesund zu bleiben, solle man lieber beten. Nun ist der Chef des christlichen US-Senders Daystar, Marcus Lamb, nach einer Covid-Erkrankung gestorben. Es wäre gut, wenn manche Menschen sich fürchten würden! Es wäre gut, wenn viel mehr Menschen sich impfen ließen. Gebet ist keine Zauberformel, kein Schutzorakel.

Es stimmt: Wir müssen nicht erschrecken, uns nicht ängstigen. Wenn wir selbst alles getan haben. Wenn wir danach Leib und Leben in Gottes Hand legen. „Meine Zeit steht in Deinen Händen.“

7 Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite / und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.

Das gibt es. In vielen Kriegen haben Menschen das erlebt. Nicht nur Christen. Tatsächlich gibt es auch genau das Gegenteil. Mitten in einer Menschenmenge vom Blitz getroffen. Tausende blieben verschont. Den Einen hat es getroffen. Wie gehen wir mit diesen Widersprüchen um? Wie können wir dennoch vertrauensvoll glauben?

8 Ja, du wirst es mit eigenen Augen sehen und schauen, wie den Frevlern vergolten wird.

Will ich das sehen? Nein! Ich sinne nicht auf Rache und Vergeltung. Ich will mich an Jesus halten. „Betet für die, die euch verfolgen.“ „Segnet, die euch fluchen.“ Für mich ist nichts Befriedigendes daran, andere Menschen leiden zu sehen. Immer wieder schließe ich meine Augen, wenn im Fernsehen Bilder unsäglichen Leides gezeigt werden. Und es trifft ja nicht nur die „Frevler“.

9 Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht.

Ja, das ist so, und ich hoffe, das bleibt so. ER macht mich zuversichtlich, lebensbejahend, hoffnungsvoll. Zu IHM komme ich, in jeder Lebenslage, immer. ER ist mein Zufluchtsort. Oder wie es in Therapiekonzepten heißt: Suche in deiner Vorstellung einen sicheren Raum auf. Zu IHM fliehe ich. ER lebt in mir. Schutzraum! Die erfrischende Quelle. Die blühende Wiese. In mir!

10 Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.

Ist eine Krebserkrankung kein Übel? Ist ein Gichtanfall keine Plage? Sind nicht schon viele Christen an Corona erkrankt? Auch solche, die die Hygienemaßnahmen befolgt haben. Auch solche, die geimpft waren? Wem geht es denn nur gut? Eine Illusion? Eine Wunschvorstellung? Hat jemand das wirklich Jahre und jahrzehntelang so erlebt? Vielleicht sein ganzes Leben lang?

11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

Ich glaube, dass es Engel gibt. Aber ich empfinde nicht, dass sie mir näher sind als Gott oder als Jesus. Der Allgegenwärtige ist in mir, um mich, ist überall. Ich kann mich in die Vorstellung einer Engelwelt hinein denken. Aber verstehen kann ich sie nicht.- Ich fühle mich oftmals behütet. Bewahrung auf allen Wegen … bei der Bergwanderung, bei den Autofahrten, bei Glatteis. Natürlich passe ich trotzdem auf. Meine Verantwortung ist Teil der göttlichen Bewahrung. Seine Engel und ich arbeiten zusammen.

12 dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Trotzdem habe ich mich schon gestoßen. Ich habe mich auch verletzt. Manchmal geht in kritischen Situationen alles glatt. Diese Erfahrung spiegelt sich für mich in unserem Vers. Doch es gibt immer wieder Hindernisse, über die wir nicht einfach hinüber schweben.

13 Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten.

Es gibt Bewahrung vor wilden Tieren. Es gibt auch Überwindung von Triebkräften, die unsere Seele wie wilde Tiere überfallen. Doch es gibt dabei Niederlagen. Der Psalm aber spricht vom Sieg. Den will ich in Anspruch nehmen.

14 »Er liebt mich, darum will ich ihn erretten; er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.

Es gibt Errettung aus Todesgefahr. Es gibt Schutz vor Angreifern. Gott kennt und sorgt für die, die ihn lieben und seinen Namen anrufen. Diese Fürsorge habe ich oft erlebt. Manche dieser Erfahrungen bleiben mir zeitlebens im Gedächtnis.

15 Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.

Wieso bin ich in Not? Es soll doch weder Unheil noch Plage meinem Hause nahen? Das ist alles so widersprüchlich.

Doch dass ER in der Not bei mir ist, das glaube ich, das ist innere Gewissheit; manchmal spüre ich das auch. Gebetserhörungen sind für mich normal. Unerhörte Gebete auch. Gott lässt mich nicht untergehen. Manchmal rehabilitiert er mich auch. Meine Ehre und meine Würde ist bei IHM am besten aufgehoben.

16 Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil.«

Werde ich also alt werden? Oder bin ich mit Anfang 70 schon alt. Lebenssatt bin ich noch nicht. Am Ende des Lebens: das Heil bei Gott; daran glaube ich. Langes Leben. Ewiges Leben. Wunderbar!

Jedenfalls dann, wenn man im Alter nicht zu viele Krankheiten und Schmerzen hat. Manche erleben ihr langes Leben als unerträglich. Sie müssen noch leben, obwohl sie es gar nicht mehr wollen. Wie häufig wurde schon dafür gedankt, dass ein Mensch nicht noch länger leiden musste. Der Tod kann auch gnädig sein, der Qual ein Ende bereiten.

HEIL ist das letzte Wort. Alles wird heil sein. Alles wird gut sein. In der Gemeinschaft mit IHM, der die Liebe ist; mit IHM, der war, und der da ist, und der da kommt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Helmut Schwarze
03.12.2021

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Probleme eines Bibellesers

Nüchtern betrachtet
eignet sich nicht jedes Buch der Bibel für eine morgenliche Stille und eine persönliche Betrachtung. Das weiß ich schon lange. Ich denke dabei an die Gesetzbücher des Alten Testamentes, z.B. an das dritte Buch Mose. Jetzt kam ich beim Durchlesen der BasisBibel zum Buch Ezechiel (Hesekiel). 48 Kapitel hat das Buch. Seite für Seite, Kapitel für Kapitel: Gottesgerichte. Sie sind hart und grausam und werden in allen Einzelheiten beschrieben. Mich baut das nicht auf. Ich darf das garnicht zu stark an mich heranlassen. Ich verstehe das auch nicht. Das soll der Gott sein, an den ich glaube?

Jetzt hilft es mir, dass ich Theologe bin. Ich verstehe: Hier wird das Erleben Israels geschildert. Hier werden blutige Kriege beschrieben. Aber auch die sozialen Ungerechtigkeiten im Land. Und die religiöse Verirrung. Gottes Gebote werden missachtet. Andere Götter werden angebetet. Götzen werden verehrt, der wahre Gott entehrt. Der Prophet stellt Zusammenhänge her. Er versteht Ursache und Wirkung so: Religiöser Niedergang führt zur politischen Nieder-lage. Hunger, Seuchen, Gefangenschaft, Tod auf dem Schlachtfeld sind Strafen Gottes, sind sein Gericht. Er macht deutlich: Gott entgleitet nichts. Er stellt vor aller Welt seine Ehre wieder her. Wer sich von ihm abwendet, hat die Folgen selbst zu tragen.

Ja, so hat man das damals gesehen und geglaubt. Von daher ist das Buch Ezechiel in sich stimmig. Alles Erleben wird auf Gott zurückgeführt. Da ist nur ER, der EINE, und niemand sonst. Eben: Monotheismus. Zur der Zeit hatte man in Israel schon erkannt: JAHWE ist nicht nur der Gott Israels, sondern der Gott der ganzen Welt. Es gibt kein anderen Gott, außer ihm. Und das ist das positive Anliegen dieses biblischen Buches, Israel und alle anderen Völker der Welt sollen erkennen, dass JAHWE Gott ist. Immer wieder heißt es: „Dann werdet ihr erkennen, dass ich Gott der HERR bin.“ (z.B.: Ezechiel 23,49) Ein Gott, der langmütig und gnädig ist, der vergibt und einen Neuanfang schenkt. Aber er ist kein Gott, der Sünde übersieht, dem Untreue nichts ausmacht. Für ihn ist es entsetzlich und erschütternd, dass Menschen sich von ihm abwenden, ihn missachten und verspotten, Götzen vertrauen, die von Menschen gemacht sind.

Ich lese also weiter die Warnungen, Drohungen, Gerichtsszenarien. Ich denke an Jesus Christus. An die Abendmahlsworte, die besagen, dass sein Blut vergossen wurde zur Vergebung der Sünden. (Matthäus 26,28) Ich schärfe mein Gespür dafür, dass Sünde nicht belanglos ist, sondern Leben kostet. Ich fokussiere Gott, der Leben retten will und retten kann. Und ich mache mir bewusst, dass ich die prophetischen Aussagen über das Volk Israel, nicht eins zu eins auf mein Leben übertragen kann. Kriege, Krankheiten, Katastrophen ereignen sich. Sie bringen entsetzliches Leid für die Betroffenen. Sie sind aber nicht Gottes Gericht und Strafe für persönliches Fehlverhalten.

Helmut Schwarze 28.10.2021

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Liebe/r Leser/in,
im Bereich KONTEMPLATION mache ich heute das Fortsetzungsangebot für die
ZOOM-EXERZITIEN. Beim ersten Kurs waren meist ca. 15 – 20 Teilnehmer dabei.
Die Rückmeldungen ergaben, dass ein weiterer Durchgang von etlichen Teilnehmern
gewünscht wurde.
Die Zoom-Exerzitien werden wieder montags um 21 Uhr stattfinden. Sie dauern jeweils ca. 25 Minuten. Geplant sind folgende Termine:

04. Oktober / 11. Oktober / 18. Oktober / 25. Oktober / 01. November / 08. November / 15. November

Auch dieses Mal gilt: Wer sich anmeldet, möchte gern regelmäßig dabei sein.
Er verpflichtet sich damit aber nicht. Wer Interesse hat, aber nicht jedes Mal dabeisein kann, ist dennoch herzlich willkommen.

Immer wieder sind mir Menschen begegnet, die sich wünschen, für sich eine Zeit der Besinnung, des Gebets, der Begegnung mit Gott zu haben. Doch mal fehlt die Zeit dazu. Ein anderes Mal die innere Ruhe. So bleibt der Wunsch und die Sehnsucht danach oft unerfüllt.
Da könnte es eine Hilfe sein, sich mit anderen zu einer bestimmten Zeit zu treffen und gemeinsam auf Gottes Wort zu hören und sich in der Stille auf IHN einzulassen.

Was erwartet die Teilnehmer/innen?
Oberthema:
Der Atem der Psalmen
Ablauf:
Begrüßung der Teilnehmer
Zur Ruhe kommen – Atemübung
Hinführung
Psalmenrezitation zum Hören und Sehen
Zeit der Stille
Segen
Abschlussritual

Wer an den Zoom-Exerzitien teilnehmen möchte, melde sich bitte per Mail bei mir an:
helsischwa@wtnet.de
Er bekommt dann von mir den Link zugesandt, mit dem er beim Zoom-Treffen beitreten kann.
Es ist mein inniger Wunsch, dass Gottes Geist uns belebt, stärkt, aufrichtet; dass er uns hineinnimmt in die Beziehung der Psalmbeter zu Gott.

Mit herzlichem Gruß
Helmut Schwarze
04. September 2021

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Einladung zu „Stillen Tagen“ Pfingsten 2022

Vielleicht würde jemand von meinen Blog-Lesern gern einmal an „Stillen Tagen“ teilnehmen. Keine durchgehende Schweigezeit, aber eine Zeit, um abzuschalten,
abzuladen, zur Ruhe zu kommen und um sich zu orientieren. Dann schau Dir gern
das nachstehende Angebot an. Schon jetzt ist eine Anmeldung möglich. Die Gesamtteilnehmerzahl ist auf 20 (+ -) begrenzt.

Stille Tage – Erfüllt mit dem Heiligen Geist
1. Juni – 06. Juni 2022
Erfüllt mit dem Heiligen Geist – sind wir? Werden wir? Wollen wir sein?
Die Bibel verspricht uns: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist.“ Römer 5,1-5
Wir kommen zu Pfingsten zusammen, um das zu feiern, um dieses Geschenk auszupacken. Wir schöpfen Liebe. Wir schöpfen Kraft. Dabei geben wir den Gaben des Heiligen Geistes Raum und lassen die Frucht des Heiligen Geistes wachsen. Unser Wunsch und unser Gebet ist, das jeder von uns geist-bewegt in seinen Alltag zurückkehren kann.
Zeiten der Stille, mal auch schweigen – eine Gebetswanderung und eine Gebetsnacht, liturgische Elemente und spontane Beiträge, öffnen uns den Zugang zu unserem Herz, dem Wohnort und Lebensraum des Heiligen Geistes.
Gottes Wort begegnet uns in Bibelauslegungen und Predigten, im persönlichen Zuspruch und beim Rezitationsabend. Die Bergpredigt wird vorgetragen; Musik und Stille vertiefen die Worte Jesu.
Wir laden herzlich ein zu dieser Einkehrzeit und freuen uns auf jede/n Teilnehmer/in.
Leitung:
Helmut Schwarze, Pastor i.R. Er hat schon etliche Einkehrtagungen,
Oasentage und Stille Zeiten durchgeführt. „Leben aus der Fülle!“ ist
sein Herzensthema.- Um nach dem Berufsleben weiter für Gott aktiv
zu bleiben, hat er seine Dienstzeit mit einem Fortbildungskurs für
Geistliche Begleitung und Exerzitien im Alltag bei der Communität
Christusbruderschaft Selbitz beendet.
Wilhelm Freund, Pastor i.R. Er ist fasziniert von der heilenden Kraft
des Evangeliums, die er in Verkündigung und Seelsorge zu vermitteln
sucht. Es geht ihm darum, diese heilende Kraft der Liebe Gottes erfahrbar
zu machen. Seine therapeutische Ausbildung und lange Erfahrung
in der Beratungsarbeit helfen ihm zusätzlich dabei, das heilende
Evangelium in die konkrete Situation des Einzelnen zu übersetzen.

Beginn: Mittwoch 01. Juni 2022 mit dem Abendessen 18.00 h, Anreise ab 16.00
Abreise: Montag 06. Juni 2022 nach dem Mittagessen

Anmeldung an:
Tannenhof Mölln, Görlitzer Ring 7, 23879 Mölln oder Tel: 04542-4134 oder
mail@tannenhof-moelln.de oder Fax: 04542-836573

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Gebärdengebet

Seit gut zwei Jahren bete ich das folgende Gebet fast täglich. Es ist mein Einstieg in den Tag. Meist spreche ich die Worte laut aus. Manchmal bete ich auch still, nur gedanklich. Den Tag mit Gott zu beginnen ist mir wichtig. Das Gebet dauert eine Minute, höchstens zwei. Innere Sammlung. Ein Ritual, das mir gut tut. Gesten, die mich öffnen. Empfangen, was ER mir schenkt. Bekenntnis! Vor mir selbst und vor Gott. Gott ist gut! Deshalb wird mir das Gute jeden Tag folgen. Ihn will ich dafür anerkennen, ehren, preisen, anbeten.

H.S. 18.06.2021

1. Ruhig stehen, die Hände vor dem Bauch gefaltet, sich sammeln.
Ich bete:
Herr, hier stehe ich vor Dir am Beginn eines neuen Tages.

2. Hände ineinander legen und zu einer Schale formen.
Ich bete:
Herr, ich öffne mich Dir. Ich bin bereit, zu empfangen, mich von Dir beschenken zu lassen.

3. Sich verbeugen, dabei die zur Schale geformten Hände nach vorn schieben, so dass sie mit dem Kopf eine waagerechte Linie bilden, aber Abstand vom Kopf haben.
Ich bete:
Herr, ich neige mich vor Dir, gebe Dir die Ehre, weiß mich abhängig von Dir.

4. Sich aufrichten und die Hände seitlich nach oben strecken, wie ein V.
Ich bete:
Herr, zu Dir strecke ich meine Hände empor im Gebet. Wie ausgedörrtes Land auf Regen, so warte ich sehnsüchtig auf Dein Eingreifen.

5. Die Hände über Kreuz auf die Brust legen.
Ich bete:
Du weißt genau, was ich brauche, und du gibst mir, was für mich gut ist. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

6. In der vorherigen Haltung bleiben und mit einer kurzen Verneigung das Gebärdengebet beschließen.
Ich bete:
Ehre sei Dir: Vater, Sohn und Heiliger Geist.- Amen.

7. Ich bekreuzige mich, indem ich die rechte Hand in der Körpermitte vom Kopf bis vor den Unterleib und anschließend auf Brusthöhe von links, vom Herzen her, nach rechts hinüber führe.

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Liebe/r Leser/in,

im Bereich KONTEMPLATION mache ich heute ein spezielles Angebot. Ich lade ein zu ZOOM-EXERZITIEN.

Immer wieder sind mir Menschen begegnet, die sich wünschen, für sich eine Zeit der Besinnung, des Gebets, der Begegnung mit Gott zu haben. Doch mal fehlt die Zeit dazu. Ein anderes Mal die innere Ruhe. So bleibt der Wunsch und die Sehnsucht danach oft unerfüllt.

Da könnte es eine Hilfe sein, sich mit anderen zu einer bestimmten Zeit zu treffen und gemeinsam auf Gottes Wort zu hören und sich in der Stille auf IHN einzulassen. Deshalb biete ich an den kommmenden fünf Montagabenden jeweils um 21 Uhr per Zoom Exerzitien an. Start ist Pfingstmontag, der 24. Mai. Jedes Treffen wird ca. 20 – 25 Min. dauern. Wer Interesse hat, aber nicht jedes Mal dabeisein kann, ist dennoch herzlich willkommen.

Was erwartet die Teilnehmer/innen?
Oberthema: Der Atem der Psalmen

Ablauf:

Begrüßung der Teilnehmer
Zur Ruhe kommen – Atemübung
Hinführung
Psalmenrezitation zum Hören und Sehen
Zeit der Stille
Segen
Abschlussritual

Wer an den Zoom-Exerzitien teilnehmen möchte, melde sich bitte per Mail bei mir an: helsischwa@wtnet.de
Er bekommt dann von mir den Link zugesandt, mit dem er beim Zoom-Treffen beitreten kann.

Es ist mein inniger Wunsch, dass Gottes Geist uns belebt, stärkt, aufrichtet; dass er uns hineinnimmt in die Beziehung der Psalmbeter zu Gott.

Mit herzlichem Gruß Helmut Schwarze
18. Mai 2021

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Wut ausagieren

Ausagieren = eine Emotion (ungehemmt) in Handlung umsetzen und dadurch eine innere Spannung abreagieren. (Duden)

Als ich von einer Gemeindeleitungssitzung nach Hause kam, war ich so geladen, so in Rage, dass ich meiner Frau sagte: Ich könnte jetzt Geschirr zerschmeißen oder Möbel in Stücke schlagen. Ich könnte platzen vor Ärger und Wut. Meine Frau gab mir Modezeitschriften. Die konnte ich zerreißen. Sie waren ziemlich fest. Ich musste alle Kraft aufbieten. Aber ich habe es geschafft, sie in Stücke zu zerreißen. Ratsch. Ratsch. Das erleichtert. Das leitet die Wut ab. Und dann habe ich mir auch im Gebet Luft gemacht. Arme und Hände ausgeschüttelt. Gott, ich lasse los. Ich werfe es Dir hin. Dir vor die Füße. Ich trete mit den Füßen drauf. „Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten.“ heißt es Psalm 91,13. Ich reagiere die Wut ab. Bis zur Erschöpfung. Bis die Wut verraucht. Soll sich Gott doch um diese Leute kümmern. Ich kann sie auch segnen. Selbst in all meinem Aufgebrachtsein. Es war so ungerecht. Beleidigend. Kränkend. Doch eines ist mir geschenkt: Ich kann vergeben. Ich muss nicht nachtragen. Allerdings bleibe ich ihnen gegenüber wachsam. Es arbeitet auch noch in mir. Ich kann jetzt nicht gleich ruhig einschlafen. Aber nach dem Wut-Gebet fühle ich mich erleichtert. Mit allem kann ich zu Gott kommen. Wenn oftmals in der Bibel vom Zorn Gottes die Rede ist, dann wird er auch mich in meinem Zorn verstehen. Ich Ihn auch in seinem Zorn?

Helmut Schwarze
14. Mai 2021

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Rezitationsgottesdienst: Psalmen und Musik

Liebe Blog-Abonnenten und Abonnentinnen,

unter der Rubrik „Kontemplation“ biete ich euch heute einen Rezitationsgottesdienst an. Ich rezitiere zehn Psalmen. Jeder Psalm wird anschließend durch ein Musikstück vertieft. Der ganze Gottesdienst dauert 45 Minuten. Es handelt sich dabei nicht um eine Live-Veranstaltung. Dieser Gottesdienst wurde aufgenommen, damit Menschen sich in einer Zeit der Stille und Besinnung von den Psalmen berühren lassen können. Mein Anliegen ist, dass wir dadurch hineingenommen werden in eine persönliche Beziehung zu Gott. Dass ER Dir gut tut. Dass ER Dir nahe kommt. Zeit, Ruhe und innere Offenheit sind die Voraussetzungen dafür, dass Gottes Wort auf diese Weise seine Wirkung entfalten kann.

Die Veranstaltung wurde in meiner jetzigen Heimatgemeinde in Hamburg- Schnelsen aufgenommen.

Gern könnt ihr diesen Link an andere Interessierte weitergeben. Vielleicht kennt ihr Menschen, denen diese Psalmen gut tun würden.
https://www.youtube.com/watch?v=VVMNodjiwbQ

Gern lasse ich mich auch zu Rezitationsgottesdiensten / – veranstaltungen in Kirchengemeinden oder interessierte Gruppen einladen. Termine für die Zeit nach der Pandemie (ab September) können schon gebucht werden. Näheres dazu auf meiner Website: https://psalmenundmusik-de.webnode.com

Ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes Osterfest.

Helmut Schwarze

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Empathieübung
frei nach Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein.

Eine Empfehlung vorweg:
Wer makabren Humor nicht mag, lese nur den Schluss: Was folgt daraus? Dieser enthält auch die Begründung dafür, dass dieser Beitrag in der Rubrik Kontemplation veröffentlicht wurde.

Sie fühlen sich meist gut, sind obenauf und fröhlich. Doch sie möchten sich auch in die Menschen einfühlen können, die schlecht drauf sind, die bedrückt und deprimiert sind. Folgende Übung wird ihnen helfen, deren Situation nachzuempfinden.

Gleich morgens, wenn sie noch halbwegs benommen aufgestanden sind, informieren sie sich per Smartphone über die neuesten Infektions- und Todeszahlen der Coronapandemie. Am besten sowohl für Deutschland als auch weltweit. Hören sie während des Frühstücks die Nachrichten.
Machen sie eine Wörtersammlung. Listen sie aktuelle Wörter auf, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen. Um ihnen die Suche zu erleichtern, hier einige Vorschläge: Maskenpflicht, Impfdesaster, Lockdown, Triage, Besuchsverbot, Quarantäne, Ausgangssperre, Hotspot, Corona Warn-App.
Visualisieren den vor ihnen liegenden Einkauf im Supermarkt. Die Maske, die sich wieder mal an der Brille verhakt. Die Brillengläser beschlagen. Sie bekommen nur schwer Luft. Andere Leute kommen ihnen zu nahe. An der Fleischtheke drängeln sich die Kunden. Einer läuft rot an, reißt sich die Maske vom Gesicht und bläst laut niesend eine Wolke von Aerosolen in die Luft.
Wieder Zuhause sehen sie sich im Fernsehen an, was eine Infektion mit sich bringen kann. Nehmen sie die Realität ernst! Stellen sie sich den Fernsehbildern von Schwerstkranken auf der Intensivstation. Die Schläuche. Die Sauerstoffmaske. Versetzen sie sich in seine Lage. Wie ist das, wenn man keine Luft mehr kriegt?
Verbringen sie den Abend damit, Talkshows zum Thema Corona anzuschauen. Nur so werden sie umfassend informiert, hören Pro und Kontra. Hören sie sich aber auch Erfahrungsberichte an. Auch Berichte von Menschen, die unter den Langzeitfolgen leiden. Beschäftigen Sie sich mit den Mutanten. Es ist wichtig zu wissen, um wie viel ansteckender und tödlicher sie sind.- Wichtig sind außerdem die eventuellen Nebenwirkungen einer Impfung. Rechnen sie mit dem Schlimmsten, dann können sie nicht enttäuscht werden.

Was folgt daraus?

Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2.Timotheus 1,7) Besonnene Menschen achten auf Seelenhygiene. Sie gehört zur geistlichen Disziplin. In diesen Zeiten der Pandemie brauchen wir manchmal eine Nachrichtensperre, um seelisch stabil zu bleiben. Es ist sicher nicht in Gottes Sinne, dass wir uns frustriert und deprimiert durch die Corona-Tage kämpfen.

Selbstbeherrschung im Sinne von Verzicht, Enthaltsamkeit, Teilfasten ist angebracht. Dem Tag eine klare Struktur geben. Die eigene seelische Stabilität hat Vorrang. Dabei muss jeder für sich selbst herausfinden, wie viel er verkraften kann, ab wann die Stimmung kippt. Manchmal müssen wir radikal sein. Computer, Smartphone, Fernsehen, Radios aus. Ich muss für mich entscheiden, ob und wann und wielange ich Corona-News aufnehme. Für manche Menschen wäre einmal am Tag genug. Für manche wäre es hilfreich, diese Nachrichten nur zu hören oder zu lesen. Bilder von Todkranken oder von Särgen, die sich in Krematorien stapeln, verstören uns. Sie tun nicht gut und überfordern viele. (Andere brauchen die drastische Berichterstattung, um wach zu werden, sich der Gefahr bewusst zu werden.) Für mich gilt: Erst Stille Zeit, dann die Nachrichten. Erst eine positive Gundlage, z.B. Musik, dann das Alltagsgeschehen. Auch wenn mich die tagesaktuellen Coronazahlen brennend interessieren, versuche ich morgens erst richtig wach zu werden, in der Bibel zu lesen, zu beten. Erst danach kommen die Nachrichten. Und abends will ich nicht als letztes in die Corona WarnApp oder die ZDF-App schauen, sondern Gott für das Gute des Tages danken und den Tag mit der Liedstrophe beschließen: Diesen Tag, Herr, leg ich zurück in deine Hände, denn du gabst ihn mir. Du, Herr, bist ja, der Zeiten Ursprung und ihr Ende, ich vertraue dir. Vielleicht mache ich demnächst auch mal ein Coronanachrichten freies Wochenende. Das Leben ist zur Zeit schwer genug. Wir müssen es uns nicht durch ein Zuviel an Nachrichten noch schwerer machen.

H.S. 09.03.2021

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Gottes Bein umklammern

Als ich kürzlich las (bin immer noch beim englischen Text): By the Spirit`s power we cry out to God, „Father! My Father!“ (Römer 8,15: Durch die Kraft des (heiligen) Geistes rufen wir: Vater, mein Vater!) spürte ich es ganz deutlich, ja, es durchströmte mich: Darum geht es! Um diese Innigkeit, gefühlte Herzlichkeit, Wärme, Verbundenheit. Und heute erlebte ich, was damit gemeint ist. Ich machte einen kurzen Abstecher zu unserem Sohn, seiner Frau, seiner vierjährigen Tochter. Brachte Kuchen vorbei. Die Tür ging auf und meine Enkelin Maila kam auf mich zu gelaufen. Opi. Mein Opi. (Opa) Bleib hier. Geh nicht wieder weg. Ich bleibe bei dir. Sie stellte sich barfuß auf meine Schuhe und umklammerte mein Bein. Kuschelte sich an mich. Zärtlichkeit. Anhänglichkeit. Kindliche Liebe. Genau darum geht es auch in meiner Beziehung zu Gott. Sein Bein umklammern. Ihn nicht mehr loslassen. Mich an ihm festhalten. Mich anschmiegen. Ihn mit liebevoller Begeisterung anrufen. Von ihm schwärmen. Mit ihm ein Herz und eine Seele sein. Er in mir und ich in ihm. Gott ist so warmherzig, liebevoll, zärtlich zugewandt. Er begeistert sich für mich, ist hundertprozentig auf meiner Seite. Was für ein Gott!!!
H.S. 07.02.2021

Privatdisko
Ich brauche weder dröhnende Musik, noch wechselnde Lichteffekte, noch wimmelndes Leibergetümmel. Ich habe meine Privatdisko. Meine Lieblingssongs von Spotify, Kopfhörer, ein kleines Zimmer, zwei flammenlose Kerzen – batteriebetrieben. Dazu bewege ich mich so, wie es mir gefällt, lasse mich von innen her dirigieren. Tanze, kreise, verharre. Nehme Takt und Rhythmus auf. Setze sie in Bewegung um. Bewegt, beschwingt; energisch oder sanft. Es betet in mir. Ich bete. Mit Gedanken. Mit Worten. Mit Gesten. Körpergebet. Gebetstanz. Mein Leben ist Gebet. Ich vergesse Corona. Ich schalte ab. Innenwelt auf laut. Umwelt auf stumm. Aufbruch. Ausbruch aus bedrückter Stimmung. Durchbruch in eine freie Atmosphäre, eine Lichtdimension. Selbst bei geschlossenen Augen.

H.S. im Januar 2021

November-Trübsinn plus Corona-Melancholie

Beides kommt dieses Jahr zusammen. Da werde ich fast schwermütig, so richtig deprimiert. Just dann fällt mir natürlich noch der Uraltsong ein: „Ein fröhlich Herz macht das Leben lustig, aber ein betrübter Mut, vertrocknet das Gebein.“ (nach Sprüche 17,22) Was mache ich, wenn ich niedergeschlagen bin? Wie bekomme ich wieder gute Stimmung?

Auf diesen zweiten Teil-Lockdown war ich besser vorbereitet. Aktiv angehen! Hörte ich in mir. Den Tag bewusst gestalten. Schoko-Lust ist keine Lösung. Sie führt zum Schoko-Frust. Das zieht noch weiter runter. Gegensteuern. Ich gebe meinen Tagen Struktur. Ich sorge für Erfolgserlebnisse. Ich nutze die Schöpfungsgaben. Dann wird der Schöpfer in mir lebendig; belebt mich, beseelt mich.

Konkret: Zu meinem Alltag gehört die Besinnungszeit am Morgen, beginnend mit einem Gebärdengebet. Danach Bibellese, Gebet und Psalmenrezitation. Später ist Hobbyzeit: Lesen oder Schach im Internet. Eine Stunde Sport, täglich außer sonntags. Nordic walking oder Fahrradfahren. Und abends ist music-time. Ich höre bei Spotify mit Smartphone und Kopfhörer eine Stunde lang Musik. Saxophonklänge, Gospels, israelische Folklore; auch Klassik, auch Ragtime. Inzwischen habe ich sechzig Lieblingssongs. Sie bringen unterschiedliche Saiten in mir zum Schwingen. Sie gehen ins Gefühl. Das tut gut. Ein Geschenk Gottes. ER ist mir darin nahe. Ich komme wieder in Schwung. Süßigkeiten habe ich mir in diesem Monat für sonntags reserviert. Es klappt bisher. Außerdem gibt es sonntags geistliche Nahrung, im Gottesdienst. Tatsache: Der Gottesdienst gibt mir etwas. Er stärkt ein positives Lebensgefühl. Er verbindet mich mit der Kraft Gottes.- Und sich dann noch mit lieben Freunden treffen. Reden. Karten spielen. Manchmal auch beten. Was will man mehr. Richtig euphorisch bin ich trotzdem nicht. Kann man wohl auch nicht, bei 18633 Neuinfektionen und einem Höchstwert von 410 Todesfällen an einem Tag. (Robert-Koch-Institut Stand: 25.11.2020 00.00 Uhr) Aber immerhin: Die Tage wurden erträglich; manchmal sogar mehr als das.

H.S. 25.11.2020

Kleine Anekdote als Zugabe

Titel: Tischgebete für Kleinkinder

Unser Enkelkind (3) ist zu Gast. Vor dem Abendessen bete ich das bekannte Tischgebet:
Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt o Gott von dir. Dank sei dir dafür.
Empörte Reaktion eines Erwachsenen: Das geht gar nicht. Das kann ein Kind doch überhaupt nicht verstehen.
Das saß! Heute Nacht (eine Nacht im November) kam die Erleuchtung. Auch für jüngere Kinder verständlich: 

Unser gutes Essen
und was Tiere fressen
kommt mein Gott von Dir.
Wir danken Dir dafür.

Oder:
Jedes Tier bekommt sein Essen.
Jede Blume trinkt von dir.
Hast auch mich niemals vergessen.
Lieber Gott, ich danke Dir.

H.S. 25.11.2020

Bergpredigt in- und auswendig

Zweimal habe ich bisher die Bergpredigt öffentlich rezitiert. Ich hatte mir über ein Jahr lang Zeit genommen die Kapitel aus Matthäus 5–7 in der Übersetzung der Neues Leben Bibel auswendig zu lernen.

Eigentlich müsste man hinterher darüber sprechen; reagieren können, Fragen stellen können. Doch in Corona-Zeiten ist das nicht möglich. Zu Pfingsten 2021, bei einer Einkehrtagung im vertrauten Kreis, will ich die Bergpredigt wieder einbringen. Da kann man dann auch reden, selbst wenn wir noch auf Abstand sitzen sollten.

Die Bergpredigt ist der Hammer. Faszinierend und erschreckend zugleich. Manche Menschen sind von ihr begeistert, weil sie damit die Botschaft von Gewaltlosigkeit und Frieden, von Vergebung und Feindesliebe verbinden. Sie werden enttäuscht werden, wenn sie die ganze Bergpredigt lesen. Denn da ist von Himmel und Hölle die Rede. Davon, dass nur wenige Menschen den Weg zum Leben finden. Da werden Heuchler und Verführer entlarvt. Menschen, die Jesu Wort hören, aber nicht befolgen, werden als Dummköpfe bezeichnet. Unzumutbar! Das soll eine authentische Zusammenstellung der Worte Jesu sein?

Vers für Vers habe ich auswendig gelernt. Ich bin zum Memorieren nur durchschnittlich begabt. Immer wieder habe ich die Worte laut rezitiert. Oftmals jeden Tag. Schon während meiner theologischen Ausbildung hatte ich zehn verschiedene Auslegungsweisen der Bergpredigt kennengelernt. Doch jetzt merkte ich ganz persönlich die Fragen und Spannungen, die sich aus dem Text ergeben. Das kann doch keiner erfüllen!

Drei Punkte sind mir wichtig, auf die ich kurz eingehen möchte.

1. Ich liste einige Probleme auf, die ich mit der Bergpredigt habe.

2. Ich versuche zu erklären, wie ich mit diesen Problemen umgehe.

3. Ich gebe euch Anteil, warum die Bergpredigt mir aus dem Herzen spricht.

Sollen, ja können Christen, die verfolgt und drangsaliert werden, dann noch jubeln und sich freuen? (5,12) Sollen wir gute Taten öffentlich machen (5,16) oder nicht (6,1)? Kommt der, der Gottes Gesetz bricht, in die Hölle? (5,29+30) Wenn Jesus Worte des Mose außer Kraft setzt, waren dann die Worte Moses Gottes Wort? (5,21-48) Was sind die Perlen, und wer sind die Säue? (7,6) Kommen die meisten Menschen in die Hölle? (7,13) Gibt es überhaupt eine Hölle? Außer der Hölle auf Erden? Es ist nur eine Auswahl meiner Fragen.

Ich nehme die Bergpredigt nicht als Katalog, nicht als Nachschlagewerk, sondern als Orientierung in der konkreten Situation. Deshalb werde ich kein Wort abschwächen oder entschärfen. Wenn meine Lebenssituation in der Bergpredigt angesprochen ist, frage ich Jesus, was er mir durch sein Wort von damals heute sagen will. Ich versuche Spannungen, die im Text liegen, oder die der Text in mir verursacht, auszuhalten. Und lebe mit offenen Fragen. Auch mit den Höllenfragen. Ich will die Bergpredigt ernst nehmen.

Die Bergpredigt ist für mich Originalton Jesu. So klar. So ungeschminkt. So eindeutig. Das tut mir gut. Da lebe ich auf. Klarheit. Wie sauberes durch-sichtiges Wasser. Ich kann bis auf den Grund sehen. Da habe ich Boden unter den Füßen. Das möchte ich leben. Diese Worte bewegen mich. Sie machen mich stark. Sie helfen mir, integer zu sein. Auch offensiv und konfrontativ. Ich fühle mich durch diese Worte nicht belastet oder bedrängt, nicht eingeengt oder unter Druck. Ich empfinde sie als befreiend. Das ist die Wahrheit. Das ist Jesus, der von sich sagt: Ich bin die Wahrheit. (Johannes 14,6) Ich will darüber im Zwiegespräch mit Jesus bleiben, mich in die Bewegung dieser Worte hineinnehmen lassen, ihre Kraft ausschöpfen.

Worte, die mich beflügeln: Schaut die Vögel an … 6,26

Worte, die mich strahlen lassen: Schaut die Lilien an … 6,28

Worte, die mich bergen: Wieviel mehr kümmert er sich dann um euch … 6,30

Worte, die mich anspornen: Lebt in Gottes Gerechtigkeit … 6,33

H.S. 10.11.2020

Geistliches Tagebuch

Vor über 50 Jahren fing ich an, persönliche und geistliche Erfahrungen, aber auch Fragen und Probleme, schriftlich festzuhalten. Jahrelang handschriftlich, später auf meinem Computer. Ich schrieb nicht jeden Tag. Es gab auch Langzeitunterbrechungen. Aber wichtige Ereignisse, Erkenntnisse, Einsichten, die ich als Reden Gottes verstand, notierte ich mir. Viele Eintragungen erfolgten nachts. Wenn ich nicht schlafen konnte. Wenn Unruhe und Ängste aufkamen. Wenn Konflikte mich nicht los-ließen.

Zwei Effekte stellten sich in der Regel sofort ein: Entlastung und Klärung. Das Schreiben bewirkte, dass die Spannung nachließ, dass ich ruhiger wurde. Und die Flut der Gedanken bekam eine Ordnung. Das Hauptproblem und seine Teilaspekte wurden übersichtlich. Das Schreiben war gleichzeitig Gebet. Ich sagte Gott damit, was ich überlegte und fühlte, was mich umtrieb. Ich hörte in mich hinein, und ich hörte aus mir heraus. Gott, der in mir wohnt. Gott, der mich von allen Seiten umgibt. Ihm, der mich durch und durch kennt, kann ich mich jederzeit anvertrauen.

Begeistert bin ich aber auch von den Langzeiteffekten. Ich kann heute noch nachlesen, warum ich Pastor geworden bin, warum ich meine Frau geheiratet habe, warum ich der Anfrage einer Gemeinde für eine Berufung zu- oder abgesagt habe. Ich sehe, wo ich psychisch anfällig war, wo es genauso geblieben ist, und wo es sich verändert hat. Von hypochondrischen Zügen und neurotischen Anfälligkeiten war ich nie ganz frei. Dokumentiert ist aber auch, wo ich etwas gewagt habe, wo ich Grenzen erweitern konnte, wo ich in Krisen standgehalten habe. Ich freue mich an dem, was möglich war.

Wie Gott mich führte, wo er Gebete erhörte, was offen blieb, wo ich enttäuscht war, alles ist festgehalten. So erlebe ich die Kontinuität meines Glaubens.

Als ich 2014 in den Ruhestand ging, habe ich mir im Tagebuch notiert:

Ich möchte in der Zukunft nicht in irgendwelche Beiräte, Vorstände, Gremien oder Leitungsfunktionen. Das wurde mir heute morgen (23.05.14 um 06,05 Uhr) deutlich, als ich gerade aufstehen wollte. Und auf meiner gut 2 ½ stündigen Gebetswanderung wurde mir klar: Auch für Programme und Strategien bin ich nicht mehr zu haben.

Tagesanfang

Seit einiger Zeit lese ich fast täglich einen Bibelabschnitt in englischer Sprache. Ich benutze dazu die Übersetzung: NEW TESTAMENT – Good News Translation. Bis zum Johannesevangelium bin ich schon gekommen. Worte, die mir aus dem Deutschen vertraut sind, werden im Englischen neu lebendig. So entkomme ich einer einschläfernden Routine. Besonders anspornend und motivierend empfand ich den Zuspruch Jesu, der Markus 6,50 überliefert wird: Courage! It is I. Don`t be afraid. Ich will mit Courage, mit Mut und Beherztheit, die Aufgaben des Lebens angehen.

Schlaflosigkeit

Manchmal kann ich nachts schlecht schlafen. Nicht, dass ich grüble. Ich bin einfach wach, denke an dies oder jenes oder auch gar nichts, drehe mich rechts, drehe mich links. Es kommt vor, dass ich aufstehe und mitten in der Nacht im Internet Schach spiele. Oftmals fallen mir Psalmworte ein, die zu meiner Situation passen. “Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich. Wenn ich wach liege, so sinne ich über dich nach.” (Psalm 63,7) Besonders beruhigend empfinde ich Psalm 4,9: “Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.” Ich atme ein und sage in Gedanken dabei: Ich liege und schlafe. Ich atme aus und sage in Gedanken dabei: ganz mit Frieden. Wenn meine Gedanken wandern, kehre ich immer wieder zu diesem Satz zurück. Tatsächlich hilft er mir, einzuschlafen, mich bei Gott geborgen zu fühlen. Hilfreich fand ich in den Leitlinien der Klinik Hohe Mark zum Thema Schlaflosigkeit zu lesen: Wenn wir entspannen können, ist es zweitrangig, ob wir gleichzeitig “narkotisiert” sind. “Hauptsache, der Körper darf sich mal ganz tief entspannen.”

Memorieren als geistliches Fitnessprogramm

Ich bin schon seit langem der Meinung: Wer sich seine Bank und seinen Pin-Code merken kann, der kann sich auch merken, wo eine Bibelstelle steht. Und selbst im Alter von 71 Jahren kann ich noch einen Bibelvers, ja auch einen ganzen Psalm mit zehn oder zwanzig Bibelversen, auswendig lernen. Die Bedingungen dafür sind: Motivation und Übung.

Bei der Nahrungsaufnahme geht es darum, das Essen durch das Kauen und Schlucken aufzunehmen und damit dem Körper Energie zuzuführen. Bibelworte sind geistliche Nahrung. Wenn ich sie auswendig lerne, präge ich sie mir ein. Dann prägen sie mich. Ich verinnerliche sie. Ich pflanze sie in mir an und lasse sie dort wachsen und gedeihen.

Wenn ich regelmäßig zum Sport gehen oder im Garten arbeiten kann, bin ich auch in der Lage kontinuierlich ein biblisches Lernprogramm durchzuführen. Ein solches Trimm-Dich-Programm fördert unser geistliches Leben.

Seit Jahren habe ich Erfahrung damit. Es begann damit, dass ich gern Psalmen auswendig gelernt habe. Sie motivieren mich, stärken mich, tun mir gut. Psalm 23 kennen viele Christen auswendig. Nach meiner Pensionierung habe ich mich entschieden, nochmals alle Psalmen durchzulesen und mir die herauszusuchen, die mich ansprechen. Die Psalmen, die mir nahe gingen, habe ich auswendig gelernt. Dann hatte ich in mir den Impuls, ich könnte diese Psalmen auch vortragen, andere in ihr Kraftfeld mit hinein nehmen. Das habe ich ausprobiert; mit sehr positiver Resonanz.

Siehe: https://psalmenundmusik-de.webnode.com

Was macht der Schatz an auswendig gelernten Psalmen mit mir? Wie wirkt er sich aus? Einzelne Sätze oder Verse verbinden sich mit Situationen meines Lebens. Sie bilden einen Vorrat, einen Rat vor allem. Daraus schöpfe ich. Ich bin versorgt, weil ich vorgesorgt habe und mir keine Sorgen um den morgigen Tag machen muss. Mir gibt das große Sicherheit und Gelassenheit. Im Alltag erlebe ich, wie ein Wort nach dem anderen lebendig wird. Es sind ganz normale Situationen.

Heute betreuen wir wieder zwei unserer Enkelkinder. Zwar anstrengend, aber begeisternd. Es kommt mir so viel an Zuwendung entgegen. Die reinste Freude. Und mir fällt der Psalm 128,6 ein: Mögest du solange leben, dass du dich noch an deinen Enkeln erfreuen kannst.

Dann steht noch eine Entscheidung an. Soll ich, obwohl ich keine Beschwerden habe, eine Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen? Die Darmspiegelung wird für Menschen meines Alters empfohlen. Ich denke darüber nach. Ich bete um Klarheit. Und mir fällt Psalm 32,8 ein: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Ich will dich mit meinen Augen leiten. Ich entscheide mich für die Untersuchung und melde mich beim Facharzt an.

Ungefähr vor einem Jahr starb mein Bruder. Er wurde 74 Jahre alt. Die letzten Jahre war er in einem Pflegeheim. Seit ich zurück im Norden bin, also seit 2014, habe ich ständig mit ihm zu tun gehabt. Besuche, Besorgungen, auf der Station vermitteln, Kontakt zum Hausarzt und zur gesetzlichen Betreuerin aufnehmen. Nicht immer einfach. Aber motiviert hat mich Psalm 133,1: Siehe, wie fein und lieblich ist`s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen. Wir haben nicht zusammen gewohnt. Weder die Wohnsituation noch die Pflegeanforderungen gaben eine solche Möglichkeit her. Dennoch empfand ich das Bibelwort als zutreffend. Da war Zusammengehörigkeit, Begegnung, Zuwendung. Und auf dem Sterbebett seitens meines Bruders ein: Danke! Machs gut!

Ich bin nun auch schon 71 Jahre alt. Gefühlt war 70 eine Zäsur. Obwohl insgesamt noch ganz fit, könnte ich es schon mit manchen Gleichaltrigen in der Aufzählung von Macken, Schwächen und Beschwerden aufnehmen. Und nun sagt jemand aus uralten Zeiten mir: Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein. (Psalm 92,15) Die Beziehung zu Gott hält jung! Da ist jemand, der nicht müde oder matt wird, der nicht altert, der ewig ist. Dieser jemand lebt in mir. Mit Ihm stehe ich immer in der Blüte des Lebens. Deshalb: Beziehungspflege ist angesagt.

Glaubenszweifel sind mir nicht fremd. Gibt es Gott? Wer ist Gott? Warum gibt es soviel Leid auf dieser Erde? Mit meinen Fragen bin ich nicht allein. Und schon vor über 2000 Jahren fragten sich Menschen, warum die Welt so ist wie sie ist. Menschen zweifelten und überwanden ihre Zweifel. Sie wurden verspottet und blieben standhaft. Manche gingen soweit, dass sie Unglauben als Dummheit bezeichneten. Die Toren sprechen in ihrem Herzen: >Es ist kein Gott.< (Psalm 14,1) Anderen ging es an Herz und Nieren und sie klagten: Es ist wie Mord in meinen Gebeinen, wenn die Menschen lästern: >Wo ist nun dein Gott?< (nach Psalm 42,11) Ich fühle mich von Gottes Wort verstanden. Die Jahreslosung 2020 formuliert das Problem mit den Worten: Ich glaube, hilf meinem Unglauben! (Markus 9,24)

Ein Kommentar zu “Kontemplation

  1. Lieber Helmut, schöne Idee mit Deinem Blog! Ich habe ihn abonniert. Du schreibst, dass Du mit Deinem Renteneintritt nicht mehr für irgendwelche Programme und Strategien zur Verfügung stehst. Mir geht es genauso jetzt wo es nur noch 9 Monate bis zu meinem Ruhestand sind.

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