Unsere Fragen von heute … Hiob kannte sie schon damals

Als wenn er über den Krieg in der Ukraine und die grausame Zerstörung Mariupols schreibt lese ich in Hiob 24,12:
In der Stadt stöhnen die Sterbenden. Menschen werden umgebracht, laut schreien sie um Hilfe, doch Gott zieht die Mörder nicht zur Rechenschaft!
(Übersetzung: Hoffnung für alle)
Die armen Stadtbewohner klagen laut, das Röcheln der Verletzten schreit zum Himmel, doch Gott beachtet all den Wahnsinn nicht!
(Übersetzung: Gute Nachricht Bibel)

Gott, ein liebender Vater? Gott, eine tröstende Mutter? Es gibt Zeiten, da nähren solche Vorstellungen eher unsere Zweifel, als unsere Zuversicht. Jedenfalls mir geht es so, wenn ich an die Menschen denke, die durch Bomben zerfetzt oder auf der Flucht erschossen werden. Wasser und Lebensmittel werden knapp. Putin will die Menschen verdursten und verhungern lassen.

Das Buch Hiob spricht vom Satan, der im Hintergrund die Fäden zieht. Der Böse! Und es scheint zu jeder Zeit der Weltgeschichte Satane in Menschengestalt zu geben, die Millionen und Abermillionen von Menschen den Tod bringen.

Da fällt es mir schwer, zu glauben, dass jedes Haar auf meinem Kopf gezählt ist (Matthäus 10,30), dass Gott mich von allen Seiten umgibt und seine Hand über mir hält (Psalm 139,5), dass ER mein Hirte ist, und es mir an nichts fehlen wird (Psalm 23,1). Dennoch halte ich mich an das Wort Jesu: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Johannes 20,29)

Mir helfen dabei drei Einsichten.

1. Das Buch Hiob endet damit, dass Hiobs Leid ein Ende findet, dass er neu Kindersegen und materiellen Reichtum erfährt, später dann alt und lebenssatt stirbt. Ich schließe daraus: Die Zeiten können sich wieder ändern. Selbst nach Jahren und Jahrzehnten bitterer Not, kann es eine Wende zum Guten geben. Es kann eine Lebensphase kommen, in der Glück und Erfüllung wieder möglich sind.

2. Zwei „Ich-bin-Worte“ Jesu bekommen für mich angesichts des Leidens in dieser Welt große Bedeutung.

Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte opfert sein Leben für die Schafe. (Johannes 10,11. Neues Leben Bibel.) Er verheißt keinen absoluten Schutz. Die Wölfe stürzen sich auf ihn und töten ihn. Dennoch gilt, in einer anderen, ganz realen, aber unsichtbaren Dimension: Die Verbindung zu Jesus bleibt. Niemand wird uns aus seiner Hand reißen. (Johannes 10,28. Basisbibel.) Nicht Gewalt, sondern Hingabe ist die Lösung.

Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben! Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht von Gott getrennt. (Johannes 11,25+26. Basisbibel.) Die Hoffnung über den Tod hinaus ist für den, der glaubt, echter und wirksamer Trost. Für den, der nicht glaubt, erscheint sie als illusorische Vertröstung.

3. Bei allen Fragen, Zweifeln und Überlegungen gehört zur Grundeinsicht des christlichen Glaubens, dass Gott Gott ist und der Mensch Mensch ist. Unsere Gotteserkenntnis ist und bleibt Stückwerk. … Denn ich bin Gott und kein Mensch. Ich bin der Heilige in deiner Mitte. Ich lasse mich nicht vom Zorn hinreißen. (Hosea 11,9. Basisbibel) Gott ist anders, fremd, unbegreiflich. Nicht nur; aber auch. Er kommt mir manchmal fern vor, manchmal auch hart, auch tatenlos. Ich akzeptiere, dass ich ihn oftmals nicht verstehe.

Heilig, heilig, heilig ist der Gott, der Herr, der Allmächtige – er, der warund der ist und der kommt. (Offenbarung 4, 8 b. Basisbibel.)

Helmut Schwarze
22.03.2022

11 Kommentare zu „Unsere Fragen von heute … Hiob kannte sie schon damals

  1. Lieber Helmut,
    danke für deine Auslegung, dieses Leid ist für mich fast nicht auszuhalten, ich fühle mich ohnmächtig, d.h. ich kann Gott nicht verstehen, ich will mich aber darauf stützen, dass wir die Zusage haben irgendwann einmal IHN zu verstehen.
    LG UrsLi

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    1. Danke für Dein Feedback. Beten wir weiter um Frieden. Wahrscheinlich werden im Gemeindehaus in zwei Zimmern Flüchtlinge aufgenommen. Das wäre auch ein Friedenszeugnis. Beste Grüße an Euch beide. Helmut

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  2. Lieber Helmut, Du hast mir mal wieder voll aus dem Herzen (oder der Seele!?) gesprochen!
    Ich glaube, es ist ein Zeichen von Demut, zu akzeptieren, dass wir nicht alles, was Gott tut oder nicht tut, verstehen
    können.
    Liebe Grüße
    von Deiner Schwester

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  3. Lieber Helmut,
    Danke für deine klar strukturierten Gedanken und Worte, die Hoffnung geben bei einem Thema, wo mir die Worte fehlen. Beste Grüße Steffi

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    1. Liebe Steffi, vielen Dank für Dein Feedback. Es ist wertvoll zu erfahren, wie der Leser / die Leserin einen solchen Beitrag aufnimmt. Ich freue mich, wenn meine Kolumne Hoffnung vermittelt und dabei hilft, die Geschehnisse etwas zu ordnen und zu verarbeiten. Herzliche Grüße, auch an Markus, Helmut

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    1. Lieber Norbert, vielen Dank für Dein Feedback.- Ich sehe es so, dass wir schon genug an den Dingen haben, die wir von Gott verstehen. Damit sind wir schon unser Leben lang beschäftigt. Was unerreichbar bleibt, sollte uns nicht zulange aufhalten.- Beste Grüße Helmut

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    1. Lieber Burkhard,
      schön von Dir zu hören.- Leider bricht Dein Kommentar mittendrin ab. Falls Du die Zeit findest, ihn noch zu Ende zu schreiben, wäre das super.-
      Einen guten Tag.
      Beste Grüße Helmut

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