Eigentlich wollte ich DIE GRÜNEN wählen

Eigentlich wollte ich im Herbst bei der Bundestagswahl die Grünen wählen. Es ist auch jetzt nicht ausgeschlossen, dass ich das tun werde. Denn Klimaschutz, die Rettung unserer Umwelt, das Überleben jetziger und zukünftiger Generationen, weiß ich bei dieser Partei am besten aufgehoben.

Doch dass kein/e prominente/r Grüne/r sich traut für den Schutz des ungeborenen Lebens einzutreten, bringt mich in schwere Gewissenskonflikte. >Mein Körper, meine Entscheidung< steht auf einem Transparent während einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin. »Für uns Grüne ist klar, im Zentrum einer Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen muss die Selbstbestimmung von Frauen und gebärfähigen Menschen stehen«, sagte die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulle Schauws, dem SPIEGEL. Aber fängt die Selbstbestimmung über meinen Körper nicht da an, wo ich mich entscheide, mit jemandem zu schlafen? >Mein Sex – meine Entscheidung< ! Ohne Sex, keine Schwangerschaft. Die Vermeidung einer Schwangerschaft gehört zur Freiheit jeder Frau und jedes Mannes. Schwangerschaftsverhütung gehört zu unseren Freiheitsrechten, aber auch zu unserer Verantwortung. Schon 1988 habe ich dieses Thema in einem Vortrag für Christen herausgestellt. Kein anderer meiner Vorträge hat eine so weite Verbreitung gefunden. Meine Geschlechtsorgane gehören mir! Was ich damit tue, muss ich selbst entscheiden und verantworten. Oder ist man bei den Grünen der Überzeugung: Sexualität ist nicht beherrschbar? Das wäre fatal; besonders, wenn wir an das Thema Pädophilie denken.

Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden gab es im Jahr 2020 in Deutschland 99948 Schwangerschaftsabbrüche. Indikationen aus medizinischen Gründen und aufgrund von Sexualdelikten waren in 4 % der Fälle die Begründung für den Abbruch. 96 % der im Jahr 2020 gemeldeten Abbrüche wurden nach der sogenannten Beratungsregelung vorgenommen. Es geht mir ausschließlich um diesen Bereich: Die sogenannte soziale Indikation. Warum kommt es zu so vielen unerwarteten und ungewollten Schwangerschaften? Soweit es an den Kosten für Verhütungsmitteln liegt, bin ich voll auf der Seite der Grünen. Bei Bedarf sollte eine kostenlose Abgabe möglich sein. Aber egal, ob jemand in einer festen Beziehung lebt oder seine Sexualpartner häufig wechselt, immer muss er selbst entscheiden und dafür Sorge tragen, wie er das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft ausschalten will. Als letzte Absicherung die Möglichkeit zu wählen: >Notfalls kann ich ja noch abtreiben<, kann keine Option sein.

Ich habe sehr stark den Eindruck, dass diese Position bei den Grünen ein Tabu darstellt. Augen zu und … bums. Das kann es doch nicht sein.

Wir handeln jetzt, um eine spätere Katastrophe zu vermeiden. Wieso gilt das nur für die Umwelt, aber nicht für den Schutz derer, die von einer ungewollten Schwangerschaft betroffen sind? Und wenn jemand nicht wagt, das ungeborene Leben als schutzwürdig zu bezeichnen, wie soll ich dem vertrauen, wenn es um das Überleben der Menschheit geht?

Helmut Schwarze
15. Mai 2021

11 Kommentare zu „Eigentlich wollte ich DIE GRÜNEN wählen

  1. Lieber Gerdt, das ist doch mal eine klare, pointierte Stellungnahme. Im Prinzip sehe ich das genauso. Aber es gibt einige Themen bei den Grünen, die mich dennoch skeptisch bleiben lassen.- Den inneren Zusammenhang des Themas Abtreibung zum Thema Umweltschutz sehe ich als sehr direkt gegeben an. Kann man sich glaubhaft für den Schutz der Schöpfung einsetzen, wenn einem der Schutz des ungeborenen Lebens egal ist? Hier schlägt allerdings auch zu Buche, dass viele Umweltschützer die Umwelt eben nicht als Schöpfung betrachten.- Die Enkelkinder werden uns fragen … Ja! Die Ungeborenen werden diese Chance nie bekommen!
    Beste Grüße Helmut

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  2. Ich bin der Meinung, dass der Klimawandel die ultimative Herausforderung unserer Zeit ist. Unsere Enkel werden uns fragen: „Wieso habt ihr nichts dagegen getan?“ so wie wir die Mitläufer der Nazis gefragt haben. Und wir werden keine Antworten haben. Wenn wir jetzt nicht mit all unserer Kraft und all unserem Gottvertrauen ins Handeln kommen, versündigen wir uns an Gottes guter Schöpfung, mit Konsequenzen für alle kommenden Generationen.
    Das hat mit dem Thema Abtreibung wenig zu tun. KEINE ernstzunehmende Partei möchte daran etwas ändern. Es hilft also gar nichts, dieses Thema zum Hauptkriterium für die Wahlentscheidung zu erheben. Und nicht zu wählen, ist einfach nur Flucht aus der Verantwortung – für Christen, die Gott und den Menschen mit ganzem Ernst dienen möchten schon gar keine Option.
    Ich werde auf jeden Fall die Grünen wählen – die einzige Partei, der ich zutraue, ernsthaft Politik zum Schutz des Klimas und damit des Lebens zu machen

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  3. Lieber Hans, vielen Dank für Dein Feedback. Wir können beten. Wir können auch Lebensrechtsgruppen unterstützen. Allerdings sollte man da genau hinschauen, was die vertreten und wie sie agieren. Sonst gerät man unversehens in „falsche Kreise“. Herzliche Grüße Helmut

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  4. Lieber Helmut, danke für deine Gedanken und den Mut sie zu schreiben. Mich bedrückt die Tatsache der fast 100000 Abtreibungen jährlich sehr. Ich bete schon lange dafür, dass sich das doch ändert. Was kann man sonst dagegen tun? Viele Grüße, Hans

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  5. Lieber Helmut,

    eigentlich wollte ich im Herbst gar nicht wählen. Je mehr ich mich jedoch mit dem Parteiprogramm der Grünen beschäftige, desto mehr komme ich zu dem Entschluss mit meiner Stimme einen möglichen Wahlsieg der Grünen zu verhindern.
    Menschen, die sich an Bäume anketten und sich gleichzeitig gegen den Schutz ungeborenen Lebens stellen – was soll man dazu noch sagen? Sie lehnen die traditionelle Rollenverteilung in der Familie ab, mit fatalen Folgen. Die Grünen entlarven sich hier selbst.
    Für mich sind die Grünen auch in der Klimapolitik einfach nur naiv. Sie fordern den gleichzeitigen Ausstieg von Atom und Kohle, bieten allerdings keine vernünftigen Alternativen an. Mit Sonne und Wind allein werden wir die Energieversorgung nicht bewältigen.
    In der Klimapolitik wollen sie zunächst alleine vorangehen, in der Hoffnung, dass andere Nationen nachziehen. Es geht den Grünen um die Einschränkung der Nachfrage von fossilen Brennstoffen. Ab 2026 sollen keine Ölheizkessel mehr installiert werden. Das ist schön und gut. Jedoch drücken sich die Grünen um die zentrale Frage: „Was passiert mit den Brennstoffen, die wir nicht kaufen?“
    Das Öl wird dann in andere Länder fließen, und dort verbrannt. Denn die Scheichs werden weiter und mehr fördern; denn die müssen ja ihren gesamten Hofstaat bezahlen.
    In ihrem Parteiprogramm haben die Grünen viel vor. Wer das bezahlen soll, das lassen sie offen.
    Für mich nicht wählbar!

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    1. Lieber Norbert, danke für das Feedback und die vielen überlegenswerten Gedanken.- Falls ich nun doch die Grünen wählen sollte, hoffe ich, dass das keine negativen Auswirkungen auf unsere geplante Wanderung hat, und auch nicht auf das Lunchpaket von … Beste Grüße Helmut

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      1. Lieber Helmut,
        dann haben wir genügend Gesprächsstoff für eine Wanderwoche!
        Beste Grüße in den Norden der Republik
        Norbert

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  6. danke Helmut, für dieses Statement. Damit haben die Zweifel an der Wählbarkeit der Grünen für mich neue Nahrung bekommen. Die Wahlentscheidung im September wird immer schwieriger.

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